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25.08.2021

Ohne Glasfaserausbau wird Deutschland bei Digitalisierung abgehängt

Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister, sondern auch Europas größte Volkswirtschaft. Bei der digitalen Wettbewerbsfähigkeit ist die Bundesrepublik im internationalen Vergleich allerdings nur Mittelmaß. Das ergab ein aktuelles Ranking der Wirtschaftshochschule IMD. Grund dafür: eine mangelhafte technologische Infrastruktur und fehlende Investitionen in die Telekommunikation.

Platz 18 von 63 – anstatt den Anschluss an die Spitzenreiter USA und Singapur zu schaffen, ist Deutschland 2020 auf der jährlich vom angesehenen International Institute for Management Development (IMD) herausgegebenen Rangliste zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit weiter zurückgefallen. Zum Vergleich: 2019 belegte die Bundesrepublik den 17. Platz, 2016 lag sie noch auf Platz 15. Zwar kann Deutschland in Teilbereichen auch Top-3-Platzierungen vorweisen, doch vor allem bei den technologischen Rahmenbedingungen droht die rote Laterne – unter anderem bei den Kommunikationstechnologien (Platz 53) oder dem mobilen bzw. drahtlosen Breitband (Platz 57 bzw. Platz 47).

Entsprechend dramatisch schätzt der Branchenverband Bitkom die Situation ein. „Das System Deutschland braucht kein Update, es braucht einen Restart“, erklärt Bitkom-Präsident Achim Berg zur digitalen Wettbewerbsfähigkeit. „Wir müssen das Digitale von Grund auf neu denken – in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft.“ Laut Bitkom sind dabei vier Handlungsfelder von besonderer Bedeutung: die Weiterbildung in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft, der grundlegende Umbau der Verwaltungen, eine ausgewogene Datenpolitik und eine leistungsstarke Infrastruktur.

Es gibt noch viel zu tun

Gerade Letztere dürfte allerdings nicht von heute auf morgen umzusetzen sein. Zu weit hinkt der Glasfaserausbau nach wie vor in einigen Teilen Deutschlands hinterher. Das geht aus der aktuellen Studie des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) zur Breitbandverfügbarkeit in Deutschland hervor. Demnach erlauben nur 59,2 Prozent der Anschlüsse in Deutschland die Datenübertragung über Glasfaser mit einem Gigabit pro Sekunde.

Dabei entscheidet vor allem der Standort über die Leistungsfähigkeit der vorhandenen Infrastruktur. Denn während Geschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde für neun von zehn Anschlüssen in den Stadtstaaten Berlin (92,4 Prozent), Bremen (95,6 Prozent) und Hamburg (95,8 Prozent) kein Problem sind, gilt das in Brandenburg (26,8 Prozent) und Thüringen (27,5 Prozent) nur für rund jeden vierten, in Sachsen-Anhalt (19,1 Prozent) sogar nur für jeden fünften Anschluss. Das Problem: Unter den Lücken im Breitbandausbau leiden nicht nur Privathaushalte, Unternehmen sind davon gleichermaßen betroffen. So haben weniger als die Hälfte (46,6 Prozent) der Gewerbegebiete in Deutschland Zugang zu Geschwindigkeiten von einem Gigabit pro Sekunde. Besonders negativ wirkt sich das auf kleine Firmen mit 10 bis 50 Mitarbeitern aus.

Nachfrage nach hohen Bandbreiten steigt

Laut B2B Telko-Expertenbarometer von Deloitte besteht gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) ein hoher Bedarf an Glasfaser-Anschlüssen. Doch höhere Übertragungsgeschwindigkeiten scheitern bei 54 Prozent der kleinen Betriebe an Verfügbarkeit und wirtschaftlich tragbaren Angeboten. Hier gibt es also noch viel Luft nach oben. Etwas besser stellt sich die Situation großer Unternehmen dar: Hier profitiert schon mehr als die Hälfte (52 Prozent) von schnellen Glasfaserleitungen. Trotzdem dürfte die Bandbreitennachfrage dem Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) zufolge auch in diesem Segment in den nächsten fünf Jahren um das Fünf- bis Sechsfache steigen. In seiner aktuellen Marktanalyse prognostiziert der Verband bei Privatkunden bis 2026 einen Anstieg auf 845 Mbit/s (Download) und 302 Mbit/s (Upload), bei Geschäftskunden soll die nachgefragte Bandbreite dann bei 1,5 Gbit/s (Download) und 922 Mbit/s (Upload) liegen.

Um diesen Bedarf decken zu können, hat die Branche die erforderlichen Weichen im letzten Jahr bereits gestellt. So ist der Anteil der Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude und Wohnungen im Verhältnis zur Gesamtzahl aller Haushalte und Unternehmen („Glasfaserquote“) laut BREKO bis Ende 2020 auf 17,7 Prozent gestiegen. Das entspricht einem Zuwachs von 1,9 Millionen auf insgesamt 8,3 Millionen Glasfaseranschlüsse deutschlandweit. Damit hat sich die Dynamik im Vergleich zum Vorjahr nahezu verdoppelt.

Den größten Teil dieser Anschlüsse realisierten der Analyse zufolge mit 6,2 Millionen alternative Netzbetreiber, zu denen auch envia TEL zählt. envia TEL baut ihr rund 6.000 Kilometer langes, eigenes Glasfasernetz in Mitteldeutschland nämlich kontinuierlich aus. Damit erreichen sie mehr als 40.000 Firmen, die unter anderem in rund 350 Gewerbegebieten in Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen ansässig sind. Auch der BREKO-Präsident Norbert Westfal ist optimistisch: „Im letzten Jahr habe ich gesagt, dass der Glasfaserausbau Fahrt aufgenommen hat. Heute kann ich sagen: Wir haben den Ausbau nochmals deutlich beschleunigt und werden den Fuß auch auf dem Gaspedal behalten“. Allerdings seien schleppende Genehmigungsverfahren ein Nadelöhr für den Glasfaserausbau. „Ihre Beschleunigung und Digitalisierung muss vor Ort konsequent umgesetzt werden“, fordert deshalb der Verbandschef.

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